Nothbaum GmbH
 

Projektevaluation

 

 

Eine Projektidee ist eine großartige Sache. Am Anfang steht ein kreativer Gedanke, der Wunsch, ein bestimmtes Ziel zu verwirklichen, positive Ergebnisse für eine Zielgruppe zu erreichen, für eine Arbeitsumgebung oder für eine Organisation.
Ein Projekt zu planen macht Spaß, die verschiedenen Schritte in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, zu überlegen, wie das Projekt in einem gegebenen Kontext realisiert werden kann, ist interessant und die Quelle für neue inspirierende Ideen. Ein Projektteam zusammenzustellen, gemeinsam ein Projekt durchzuführen ist einerseits aufregend und eine lohnende soziale Erfahrung, andererseits auch anstrengend und hin und wieder konfliktreich.

Projekte sind lehrreiche und, wenn keine massiven Probleme auftreten, häufig auch sehr zufriedenstellende und lohnende Erfahrungen für die Projektbeteiligten.

Und dann gibt es noch die Projektevaluation.

Wer Projekte plant oder durchführt, weiß: Zu einem Projekt gehört die Evaluation. Aber da man primär an dem Projekt selbst und seinen Inhalten interessiert ist (beispielsweise einer präventiven und gesundheitsfördernden Beratung für chronisch Kranke oder der Einführung von OP-Checklisten zur Erhöhung der Patientensicherheit oder der geschlechtersensiblen Gesundheitsförderung), ist man oft wenig motiviert, nun noch eine halbwegs wissenschaftliche Forschungsarbeit zum Projektablauf hinterher zu schieben. Wir wollen ja etwas in unserem Arbeitsfeld und für unsere Zielpersonen verbessern. Wir sind deshalb nicht so sehr daran interessiert, uns mit verzwickten methodischen Fragen herumzuschlagen, um dann eine Studie über unser Projekt zu schreiben, wenn wir uns viel lieber schon mit dem Nachfolgeprojekt befassen würden.

Falsch.

Man kann es auch so sehen: Die Evaluation ist einer der wichtigsten und für die Projektleiter interessantesten und befriedigendsten Teile des Projekts. Mit der Evaluation führen Sie den Nachweis, dass Ihr Projekt ein Erfolg war. Die Evaluation ist in dieser Hinsicht so etwas wie das Abschlusszeugnis für ein Projekt. Wir werden später in diesem Text noch eine Reihe weiterer nützlicher Funktionen von Evaluationen diskutieren, aber diese ist sicherlich der zentrale und naheliegende Nutzen einer Evaluation.

Sie werden die Evaluationsergebnisse deshalb nutzen wollen. Es wäre unsinnig, eine Evaluation als notwendiges Übel durchzuführen und anschließend die Ergebnisse zusammen mit den Ablaufprotokollen und anderen Projektmaterialien ins Archiv zu versenken.

Und eine gute Evaluation kann man auf ganz verschiedene Arten nutzen:

  • Sie schließt das Projekt mit einem Erfolgsnachweis ab und ist so die Rechtfertigung für die aufgewendeten Ressourcen und die Arbeit der Mitglieder des Projektteams. Es wird dargelegt, dass das angestrebte Ziel erreicht wurde. Die Entscheidung, dieses Projekt durchzuführen, hat sich als richtig erwiesen.
  • Die Evaluationsergebnisse sind hervorragende Argumente, wenn man das Folgeprojekt entwickelt. Die Ergebnisse zeigen, dass Ihre Vorstellungen bereits erfolgreich verwirklicht wurden, so dass Sie nun, wenn Sie Ihren Ansatz weiter entwickeln und in eine neue Richtung führen, ein solides Fundament haben, auf dem ihre Gedanken gediegen aufbauen.
  • Die Evaluationsergebnisse sind unverzichtbar, wenn man einen weiteren Kreis über das durchgeführte Projekt unterrichten will. Dies kann von einem informellen Treffen unter Kolleginnen und Kollegen innerhalb eines Unternehmens oder bei verschiedenen Unternehmen bis hin zu einer wissenschaftlichen Buch- oder Zeitschriftenveröffentlichung oder einem Vortrag auf einer Tagung reichen. Neben der Frage, was Sie mit ihrem Projekt bezweckt haben und welche Maßnahmen Sie hierfür durchgeführt haben, wird es immer zentral um die Frage gehen, wie erfolgreich sie dabei waren.
  • Selbst wenn Ihr Projekt in Teilen oder gar im Wesentlich ein Misserfolg war (oder eigentlich: ganz besonders in diesem Fall) benötigen Sie die Ergebnisse einer guten Evaluation. Nur so können Sie aus Ihrem Misserfolg lernen und es vermeiden, die gleichen Fehler zu wiederholen. Nur so können Sie für Ihr Folgeprojekt Argumente finden, warum diesmal mit einem besseren Ergebnis zu rechnen ist und was getan wird, um vergangene Fehler diesmal zu vermeiden.

Ein jedes Projekt hat ein Projektende. Wenn es kein Projektende gibt, ist es kein Projekt, sondern eine neue Regeltätigkeit der Organisation. Ohne Projektende kann man auch nicht sagen, ob das Projekt seine Ziele erreicht hat, denn wenn es sie bisher noch nicht erreicht hat, könnte dies ja immer noch in der Zukunft eintreten.

Die Projektziele müssen zum Projektende erreicht sein. Man kann keine Projektziele definieren, die erst später erreicht werden sollen, da man diese ja nicht mehr prüfen kann. Wenn ein Projekt zu Ende ist, wird das Projektteam aufgelöst, die Projektfinanzierung läuft aus, und niemand ist mehr da, um später die Zielerreichung zu prüfen.

Also können wir sagen:

Vor Projektende, nachdem die Projektmaßnahmen durchgeführt wurden, wird gemessen, ob die Projektziele erreicht wurden.
Die Auswertung der gemessenen Daten erfolgt normalerweise so, dass die Evaluationsergebnisse in den abschließenden Projektbericht aufgenommen werden können. Im Prinzip könnte man die Daten auch später erfassen und auswerten, allerdings stellt sich dann die Frage, wer denn noch vom aufgelösten Projektteam für diese Aufgabe verfügbar ist. Und gibt es über das Projektende hinaus noch eine Finanzierung für die Datenerhebung und Auswertung?

Ein Projekt soll eine Veränderung bewirken. Ohne das Projekt, nimmt man an, würden die Projektziele nicht erreicht, durch das Projekt aber werden die Ziele verwirklicht. Um aber eine Veränderung aufzeigen zu können, muss man grundsätzlich wissen, ob sich der Zustand am Projektende von dem Zustand zu Projektbeginn unterscheidet. Also ist es notwendig, die gleiche Messung, die man vor Projektende durchführen will, bereits schon einmal zu Projektbeginn zu machen. Nur so kann man Unterschiede zwischen beiden Zeitpunkten erkennen und im Projektbericht darlegen, dass sich etwas getan hat.
Zum Projektbeginn, bevor die Projektmaßnahmen durchgeführt werden, wird gemessen, wie der Ist-Zustand hinsichtlich der Projektziele ist.

Wir haben nun mit dem Vergleich der Messwerte vorher und nachher gezeigt, dass bei den erhobenen Variablen eine Veränderung stattgefunden hat. Aber war es wirklich unser Projekt, welches diese Veränderung bewirkt hat? Könnte es auch sein, dass diese Veränderung nur mehr oder weniger zufällig während unserer Maßnahmen aufgetreten ist?
Um diese unangenehme Alternative auszuschließen, müssen wir mit einer anderen Gruppe eine zweite Vorher-Nachher-Erhebung durchführen, aber dazwischen bei diesen Personen keine Projektmaßnahme durchführen. Dies wäre die Erhebung bei einer vergleichbaren Kontrollgruppe. Damit die äußeren Umstände die gleichen sind, ist es im Allgemeinen sinnvoll, diese beiden Messungen möglichst zeitgleich mit den Messungen bei der Projektgruppe durchzuführen:

Parallel zu den beiden Messungen bei der Projektzielgruppe werden die gleichen Variablen bei einer ähnlichen Kontrollgruppe erhoben. Sollte sich hier keine Änderungen zwischen Vorher und Nachher ergeben, erhöht sich die Gewissheit, dass die Änderungen in der Projektzielgruppe durch die Projektmaßnahmen erfolgt sind .

Warum macht man sich überhaupt die ganze Mühe mit der Evaluation?

Um ein Projekt abschließend bewerten und auch anderen Interessierten nahebringen zu können, benötigt man zwingend eine Aussage darüber, ob dieses Projekt erfolgreich die gesetzten Ziele erreicht hat. Ohne eine fundierte Einschätzung darüber, ob das Projekt erfolgreich, teilweise erfolgreich oder auch nicht erfolgreich war, ist es nicht möglich, andere davon zu überzeugen, ähnliche Anstrengungen zu unternehmen oder den mit dem genannten Projekt eingeschlagenen Weg fortzuführen oder die Projektinitiatorin bzw. den Projektinitiator mit der Entwicklung, Planung und Durchführung eines Folgeprojekts zu beauftragen.

Als Mitglied des Projektteams oder als Projektleiterin bzw. Projektleiter hat man auch ohne Durchführung einer Evaluation eine Einschätzung über den Projekterfolg, über Stärken und Schwächen des eigenen Projekts. Diese Einschätzung ist von großem Wert und wird durch die Evaluationsergebnisse ergänzt und fundiert, nicht ersetzt.

Die Evaluation fügt der subjektiven Einschätzung des Projekterfolgs eine höhere Objektivität , Reliabilität , Validität hinzu. Damit erhält die Bewertung ein weitaus größere Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit, so dass es Ihnen erheblich leichter fallen wird, die Vorzüge und den Nutzen des Projektes argumentativ zu vertreten, bzw. bei Projekten, die Probleme habe, ihre Ziele zu erreichen, das Ausmaß des Erfolges bzw. Misserfolges differenziert einschätzen zu können.

Auch wenn es nicht um ein eigenes Projekt geht, sondern wenn Sie sich über ein fremdes Projekt informieren wollen, ist die Projektevaluationen eine entscheidende Informationsquelle für Ihre Beurteilung des Projektes. Wenn Sie einen Projektbericht lesen, oder einen Vortrag über ein Projekt hören, und es gibt eine klare, überzeugende Projektevaluation mit positiven Ergebnissen, wird dies die Überzeugungskraft der vorgeschlagenen Maßnahmen entscheidend stärken.

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